Sonntag, 25. Oktober 2020
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Belle Epoque oder Die besten Tage im Februar

Berlinale-Tagebuch von Jurymitglied Simone Schmollack

Simone-Schmollack-web

Dreht Dani Levy bald einen Saddam-Film? Hat sich Borat akkreditieren lassen? Wie sieht Hartz IV als Plot aus? Sitzt Al Gore am Drehbuch zu einem grünen Öko-Krimi? Um solche Fragen wird es während der 57. Berlinale wahrscheinlich nicht gehen. Offiziell zumindest nicht.

Simone Schmollack fragt sich das trotzdem. Sie ist Mitglied der Jury des Friedensfilmpreises, der zum 22. Mal verliehen wird. Sie gestattet einen Blick in ihr Berlinale Tagebuch, in dem es nur am Rande um Filme geht.


8. Februar 2007
Absolute Giganten
Die Friedensfilmpreis-Jury

Es ist wieder soweit. Ab heute wird der Potsdamer Platz zehn Tag lang zum Rummel. Vermutlich würde er sich den auch für die anderen 354 des Jahres wünschen. Denn was will ein Platz mehr, als wichtigste Anlaufstelle einer Metropole zu sein. Ab heute hetzen Menschenmassen über die weiten Betonflächen, stemmen sich gegen den Wind, der um die Kinoecken fegt, ignorieren rote Ampeln und springen in anfahrende Busse. Sie fluten Cafés, fluchen, lachen, fotografieren. Sie sind deprimiert, bilden Schlangen, sehen müde aus. Das ist die eine Seite der Berlinale.
Der anderen Seite ist das alles völlig egal, sie holt die Welt her. 4.287 Journalisten sind akkreditiert, 170 Stars geordert, die Filmrollen in den zwölf Berlinale-Kinos sortiert, der rote Teppich ist frisch gesaugt . Die Maxx-Bar, alljährliche Berlinale-Lounge, hat 12.000 Flaschen Schampus, Wein, Whiskey, Grappa bereit gestellt und wird jede Nacht 177 Cocktails mixen. Die Fernseh- und Radiostationen senden von heute an Tag und Nacht live, bekritteln Filme, befragen Schauspieler, Regisseure, Produzenten. Und die Jurys flitzen von einem Kino zum nächsten. Am Ende des Filmfestivals haben sie nicht nur ihren Preisträgerfilm, sondern vor allem viereckige Augen.
Apropos Jurys: Die wichtigste aller Berlinale-Kritikergruppen ist natürlich die Große Jury, die, die Bären verteilt. Dann gibt es aber noch viele andere Preisgerichte.
Die dürfen sich unabhängige Jurys nennen. Zu ihnen zählt auch jenes Komitee, das seit 22 Jahren den Friedensfilmpreis verleiht.
Die Friedensfilmpreis-Jury hat gegenüber der Großen Jury einen gewaltigen Vorteil: Sie ist wie du und ich, eine Jury zum Anfassen. Sie stellt sich im Internet unter www.friedensfilmpreis.de vor. Das Schöne daran: Die „Friedensfilmer“ sind schon online, wenn beim Rest der Berlinale noch niemand an Jurys, Preise und Filme denkt. Dieter Kosslick, der Berlinale-Chef, macht jedes Jahr ein Riesenbohei um seine Juroren. Einen Monat vor Festivalstart gibt „der Dieter“, wie er hier von allen genannt wird, bekannt, wer über Jubel und Tränen entscheidet. Dabei kennt man die Namen eigentlich fast alle. In diesem Jahr sind das unter anderen Mario Adorf, Willem Dafoe, Hiam Abbass. Paul Schrader, der American Gigolo des internationalen Film, hält den Vorsitz. Das Berlinale-Girl ist in diesem Jahr Gael García Bernal, der Hauptdarsteller in „Die Reise des jungen Che“.
Die Namen der Friedensfilmpreis-Gruppe sind international nicht allzu sehr bekannt und klingen vielleicht auch nicht ganz so glamourös: Marianne Wündrich-Brosien, Monica Chana Puginier, Harriet Eder, Christoph Heubner, Wilma Pradetto, Michael Schorr, Simone Schmollack. Global sind sie allemal. Harriet hat ihr Domizil auf Mallorca, Christoph eine französische Frau, Wilma kommt aus dem Alpenvorland, Michael spricht zwei Sätze Nepali, die aber perfekt, ich habe mal eine Weile in Smolensk (Russland) zugebracht. Marianne hat es bis nach New York geschafft und Monica bis nach Portugal. Das ist etwas Besonderes, denn auf diesem Weg haben sie den Friedensfilmpreis nach Amerika und in den Westen Europas getragen. Damit aber noch nicht genug. Einen Friedensfilmpreis nach hiesigem Muster gibt es seit drei Jahren in Tromso, Norwegen. Und bald auch in Rom. Mauro Ponzi, italienischer Goethe- und Pasta-Spezialist und in den vergangenen Jahren Jury-Mitglied, hat die Filmemacher seines Heimatlandes davon überzeugt, dass sie an Berlusconi getrost vorbei kommen. An einem Friedensfilmpreis hingegen nicht.   

9. Februar
Wem die Stunde schlägt
Die Filmauswahl

Die Berlinale macht nicht nur um ihre Jury und die Stars ein Geheimnis, sondern auch um das Filmprogramm. Erst wenige Tage vor Start gibt es die dicken Kataloge mit den Filmen. Aus knapp 400 Seiten wählt die Friedensfilmpreis- Jury all jene Filme aus, die eventuell ein Friedensfilm sein könnten. Das ist eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Denn niemand weiß, wie sich ein Film tatsächlich entwickelt, dessen Plot in der Kurzbeschreibung nur angerissen wird. Die Kurzbeschreibungen lesen sich in etwa so: Jessica kommt nach Hause und trifft auf ihren Bruder Sydney. Der hatte gerade Streit mit dem Vater - die Mutter hat die Familie vor einem halben Jahr verlassen. Sydney hat bekifft eine Bauanleitung für Bomben ins Internet gestellt ...
Für die Filmauswahl lädt Monica in ihr Wohnzimmer. Das ist so groß wie das Stadion von Werder Bremen und auch so kalt wie an einem Spieltag im Februar. Vor einigen Jahren ist Monica zum Judentum konvertiert und hat zwei Buffets aufgebaut. Die Suppe mit dem Fleisch steht in der Küche, der Teller mit dem Käse im gut gekühlten Wohnzimmer. Die Filmauswahl braucht ihre Zeit. Manchmal sitzen wir noch, wenn der Morgen graut. Immerhin müssen wir Plots von über 300 Filmen lesen und entscheiden, ob sich das Ansehen lohnt. Manchmal geht das nicht ohne heftige Wortgefechte ab. „Den Film mit den Terroristen würde ich zum Pflichtfilm machen“, sagt jemand. „Aber der ist doch total einseitig“, widerspricht ein anderer. „Das weißt du doch noch gar nicht.“ „Aber es steht doch hier: Aus der Sicht der des... Ach, ich ahne Schlimmes!“
Am Ende gibt es auf unserer Liste so genannte Pflicht-Filme und so genannte Kann-Filme (wohl bemerkt nicht Cannes-Filme) aus allen Sektionen. Jeder Film läuft in der Regel drei Mal. Die Pflicht-Filme, meist um die 40, muss sich jede und jeder ansehen, die Kann-Filme, in der Regel sind das sieben bis zehn, nur diejenigen von uns, die dafür ausgesucht worden sind. Die müssen später den anderen erzählen, ob ein Kann zur Pflicht wird. Meist passiert das aber nicht. Unsere Vorauswahl ist nahezu perfekt.  
Das merken wir bei unserer Zwischensitzung. Die findet zur Halbzeit der Berlinale statt. Auch hierfür stellt uns Monica ihr großes Wohnzimmer zur Verfügung. Weil wir uns an diesem Tag am frühen Morgen treffen (auch um diese Tageszeit ist der Raum nicht wärmer), serviert Monica keine Suppe, dafür andere leckere Dinge. Einmal gab es Fisch. Auf einem Teller geräuchert, auf einem anderen sauer eingelegt. Es war acht Uhr und niemand litt, soweit ich mich erinnere, an den Folgen missbräuchlichen Alkoholkonsums. Seitdem habe ich immer Kaugummis dabei.

10. Februar 2007
Im Rausch der Tiefe
Die Berlinaletasche

Das Ergründen des Was, Wieviel und Warum in Damenhandtaschen beansprucht schon fast einen eigenen Wissenschaftszweig. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Wohl aber um die Tasche, und zwar um eine spezielle, um die Berlinaletasche. Sie ist so etwas wie der Mercedes unter den Taschen: geräumig, sicher, formschön. (Mehr Zuspruch erfährt höchstens der Jutebeutel des Öko-Filmfestivals, den kann man zusammenknautschen.)
Eigentlich war die Tasche für Journalisten und andere Akkreditierte gedacht, um Berlinalekatalog und unzählige Beiheftchen griffbereit zu haben. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der Berlinaletasche und Katalog trug. Der Katalog wiegt drei Kilo.
Die erste Tasche war rot und kam über den Status des nützlichen Festivalaccessoires nicht hinaus. Erst im zweiten Jahr, als sie sich schwarz und klobiger zeigte, dachten so manche: Solch eine Tasche ist irgendwie cool. Und trugen sie fortan auch nach dem Festival. Ein weiteres Jahr später war sie gelackt. Auf ihr verewigten sich – zum Leidwesen der TrägerInnen - neben dem Berlinalebären die beiden größten der zahlreichen Sponsoren. Die TrägerInnen hatten zuvor den Kurs Hilfe zur Selbsthilfe belegt und die monetären Zeichen einfach übermalt. Was dazu führte, dass man später vielerorts Menschen mit der Tasche sah – einzig mit dem winkenden Berlinalebären. So konnte jeder sofort erkennen: Ach, die oder der gehört auch den zu den Auserwählten! Denn die Tasche bekamen nach wie vor ausschließlich die Akkreditierten.
Das hat sich erst im vergangenen Februar geändert. Die Berlinale ist ziemlich teuer und Dieter Kosslick, der ein Fuchs ist, nicht nur in Sachen Film, hat sich ausgedacht, mit der Tasche ein bisschen Geld zurückholen. Und hat ein paar Exemplare, diesmal aus Kunststoff und in geschmeidigem Beige, die Nähte abgesetzt in kontrastierendem Weinrot, an ganz normale ZuschauerInnen verkauft. So auch in diesem Jahr, die Tasche ist lila. Das hat Folgen. Jeder, der mit dieser Tasche herumläuft, wird aller Nase lang angesprochen: "Eh, wo hastn die gekauft?" Einige Mitglieder der Friedensfilmpreis-Jury lassen ihre Taschen daher lieber zu Hause.
Ich benutze die Tasche die ganze Zeit über. Sie ist, wie gesagt, mein Mercerdes. In ihr lassen sich in unvorstellbaren Größenordnungen berlinalenotwendige Dinge versenken: Notizblock, Stifte, Brotbüchse, Filmsichtungsplan, Handy, Kekse, Zahnbürste, Wasserflaschen, Zeitungen (ja auch Zigaretten, aber ich bin orthodoxe Nichtraucherin). Und wenn ich mich wieder in einen Kinosessel gekuschelt habe, kann ich ungeniert in der Tiefe meines Mercedes nach meinem Sichtungsplan kramen. Denn, wenn ich in diesen Tagen etwas suche, dann ist das dieser verdammte Zettel. Bevor ich mich dem aktuellen Film hingebe, muss ich bereits im Kopf haben, welchen Streifen ich als nächsten sehe und vor allem in welchem Kino. Manchmal muss ich flitzen. Wer zu spät, den bestraft der Berlinaletürsteher. Er lässt niemanden mehr herein, wenn die Tür zu ist. Auch wenn die Tasche noch so berlinalig ist.

10. Europäischer John Templeton Filmpreis 2006 für „Grbavica"
„Grbavica“ (deutsch: „Esmas Geheimnis“) hat bei der Berlinale 2006 den Goldenen Bären, den Friedensfilmpreis und den Preis der Ökumenischen Jury erhalten. Nun wird er noch einmal geehrt, mit dem 10. Europäischer John Templeton Filmpreis 2006.
„Grbavica“ wurde von einer Jury, die von INTERFILM, einer internationalen kirchlichen Filmorganisation, für den Preis benannt. Er wird in Namen der John Templeton Stiftung sowie der Konferenz Eurpäischer Kirchen an Filme vergeben, die eine menschliche Haltung zum Ausdruck bringen, die mit der biblischen Botschaft übereinstimmt. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.
Die Preisverleihung findet im Rahmen der Berlinale am Sonntag, 11. Februar 2007, 18 Uhr, in der Kirche St. Matthäus auf dem Kulturforum, Matthäuskirchplatz (Berlin-Tiergarten) statt.
Kostenlose Filmvorführung: 11. Februar 2007, 15 Uhr, Kino Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin.

11. Februar
Night and the city
Berlinale-Nächte sind lang

Früher, als ich noch nicht in der Jury für den Friedensfilmpreis sitzen durfte, habe ich die Berlinale aus einem einzigen Grund besucht: der Filme wegen. Es gibt aber Leute, die zieht etwas anderes an: Sie lassen keine  Party aus. Davon gibt es während der zehn Tage mehr als korrupte Politiker. Man könnte meinen, Berlin feiert im Februar auf einen Schlag Weihnachten, Silvester, Ostern sowie die Geburtstage der Hälfte aller UrberlinerInnen zusammen. Nahezu alle Klubs, Restaurants, Partyhallen und Eventräume sind ausgebucht. Wer in diesen Tagen heiratet oder alle Kinder, Enkel, Urenkel, Freunde und ehemaligen Kollegen zu seiner Goldenen Hochzeit einladen will, sollte dies besser in Angermünde in der Schorfheide oder in Straupitz im Spreewald tun. Ich kenne ein paar junger Filmemacher und Schauspieler, die jedes Jahr auf die Partys hechten. Tage vorher schon möffen und töffen sie sich, trainieren vor dem Spiegel einen guten Eindruck und lernen ihren Text für den Durchbruch.  

Die Anpirschstrategien versetzen mich immer wieder in Erstaunen. Hat die Party begonnen, stürmen die Protagonisten in den Raum, als gelte es, einen 100-Meter-Lauf zu gewinnen, um dann betont gelangweilt herumzustehen. Sie sagen, sofortiges Zuerkennengeben sei kontraproduktiv. Und schon gar nicht dürfe man gleich mit der Tür ins Haus fallen. Irgendwann schlendern sie von Tresen zu Tresen, dabei rücken sie dem Subjekt ihrer Begierde immer näher. Eine regelrechte Performance, ein Film! „Warum wartest du, bis er besoffen ist?“, fragte ich einmal einen Drehbuchautoren, der sich von einem bekannten deutschen Regisseur einiges erhoffte. Die Filme des Regisseurs, dessen Namen ich aus Datenschutzgründen nicht nenne, habe ich immer gemocht. „Du verstehst aber auch gar nichts“, zischte der Autor. „Man muss den richtigen Moment abpassen.“ Der schien gekommen, als der Große Zampano samt seines Weinglases und einer dunklen Schönheit (zwei Drittel des Körpers Bein) vom Hocker kippte.

Mein Bekannter hüpfte zum Gefallenen, half auf und flüsterte ihm seine Mission ins Ohr. Der Zampano nickte, lachte, winkte ab, machte Oh und Ah, klopfte dem jungen Mann auf die Schulter. Als er wieder fest auf den Füßen stand, kam seine Assistentin mit dem Mantel, schob Schönheit und Drehbuchautor zur Seite und zerrte den Hoffnungsträger zur Tür hinaus.

Die Moral von der Geschichte: Meide Partys mit Regisseuren, deren Filme du zwar kritisch, aber weiterhin unvoreingenommen genießen willst.

12. Februar
Eine Frage der Ehre
Verleihung des Cinema for Peace


Heute wird der Preis Cinema for Peace verliehen. Seit sieben Jahren versammeln sich Promis wie Tim Robbins, Dustin Hoffman, Susan Sarandon, George Clooney (der kommt eigentlich jedes Jahr nach Berlin, nur diesmal nicht, dafür ist Bianca Jagger hier, die Ex-Frau des Altrockers) und Richard Gere und vergeben diesen Preis für einen Film mit Friedensmission. Im Prinzip eine gute Sache. Engagierte und systemkritische Filme erfahren eine Aufmerksamkeit, die ihnen sonst vielleicht nicht zuteil kommen würde.  

Einige Menschen aus der Friedensbewegung sagen, dass das Geld für die Show, die Cinema for Peace jedes Jahr veranstaltet, besser in friedensstiftende und –erhaltende Projekte gesteckt werden sollte. Sie kritisieren den Promi-Effekt: Die machen das nur, um Beachtung zu haben. So kann man das sehen, ja. Aber auch anders, erinnern wir uns. Bono, Sänger von U2 und auch ganz gut prominent, hat um sich zahlreiche Musiker gescharrt und einen weltweiten musicday organisiert, Live 8 – für den Kampf gegen Aids und Armut. Das war Entwicklungshilfe auf der Bühne und kam vielfach gut an. Warum so etwas nicht auch mit Filmen machen?

Ob das alle Mitglieder der Friedensfilmpreis-Jury genauso sehen, weiß ich nicht. Aber ich habe mit Cinema for Peace ein ganz anderes Problem. Cinema for Peace wird häufig mit dem Friedensfilmpreis verwechselt. Oder umgedreht. Das ist eine Frage der Perspektive.

“Für welche Jury arbeiten Sie?”, werde ich öfter gefragt. “Friedensfilmpreis”, antworte ich. “Aaah.” Ein Staunen zieht sich durch die Stimme des Fragers. “Das ist doch die ...?” “Ja, genau”, antworte ich und lege mein wichtigstes Gesicht auf. “Wo die, na Sie wissen schon, mitmacht”, sagt der Frager. Und: “Die ist gestern vormittag ja auch über den roten Teppich gelaufen.“ „Ja.“ „Wann laufen Sie denn über den roten Teppich?“ will er wissen. „Ich? Jeden Morgen um 9 Uhr, zur ersten Vorstellung. Bis zum letzten Tag.“ „Jeden Morgen? Bis zum letzten Tag? Versteh ich nicht, ich denke, Sie …“ „Juryarbeit ist kein Zuckerschlecken.“ „Cinema for Peace wird doch heute verliehen.“ „Das ist richtig. Das ist ja auch eine ganz andere Jury. Ich arbeite für den Friedensfilmpreis.” “Aaah.” Er klingt irgendwie enttäuscht, finde ich. “Meinen Sie nicht auch, dass das Anliegen eines Films, seine politische Botschaft, wichtiger ist als sein Promibonus?”, frage ich. “Ja, natürlich”, antwortet der Frager. Dann wendet er sich ab. Schade, gern hätte ich mit ihm über politische Filme geplaudert.

13. Februar
Und täglich grüßt das Murmeltier
Der rote Teppich


So ein roter Teppich ist eine feine Sache. Als Zeichen der Hochachtung und besonderen Bedeutung wird er zur Begrüßung bestimmter Personen ausgerollt. Steigt Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington aus dem Flugzeug, liegt er da: leger, aber fest. Er reicht von der Gangway bis fast zur Flugabfertigungshalle. Der für Papst Benedikt XVI. ist noch eindrucksvoller, egal ob in Rom, Köln oder Marktl am Inn. Vielleicht liegt das auch nur am Heiligenschein, der den Läufer umschmeichelt. Selbst Lech Kaczynski, der viel gescholtene polnische Präsident, bekommt seinen.

So ein roter Teppich verschafft den Personen, die darüber laufen, ein erhebendes Gefühl. Wen zuckt es da nicht auch in den Beinen, wenn das feine Stöffchen gewissermaßen jeden einlädt? Zumindest vor dem Berlinalepalast am Vormittag, wenn die Stars in der Maske sind. Dann ist der Teppich eine Einladung par excellence: Nur einmal darüber laufen!  

BerlinalebesucherInnen versuchen das auch immer. Sie klettern über die Gitter, die das Schmuckstück vor unerlaubten Füßen schützen soll, und beschmaddern den heiligen Filz. Doch die Ordnungshüter sehen alles und sind strenger als die amerikanische Einwanderungsbehörde. Mit der ihnen innewohnenden Berlinalegründlichkeit weisen sie jeden Übertreter hinter die Gitter und somit sein unschuldiges Verlangen nach Prominenz in banale Schranken zurück.  

In diesem Jahr könnten sie etwas milder sein, finde ich. Kein Schnee, keine Sauerei, keine Arbeit für die Putzkolonnen. Doch die Teppichhüter bleiben hart. Und mir wurde wieder mal klar: Der Weg von unten nach oben bleibt steinig.  

Aber es gibt Alternativen, wir leben in einer Demokratie. Bei Miet-Mich kann man sich schon für 60 Euro zehn Meter feinsten roten Teppichs ordern. Drei Tage lang. 15 Meter und drei Tage bekommt man für nur 95 Euro. Wenn das kein Angebot ist.

14. Februar
Kleiner Mann, was nun?
Die wichtigste Person für die Jurys: Markus Hönle


„Haben Sie noch ein Beiheft für den Film von Zhang Lu?“ „Wo finde ich den Sprecher für Magnum in Motion?“ „Wer ist diesmal zuständig für die Fahnen?“ Im Zimmer stehen vier aufgeregte Damen aus drei verschiedenen Jurys und fordern absolute Aufmerksamkeit. Von einem einzigen Mann, von Markus Hönle. Nicht sonderlich hoch von Wuchs und auch nicht ausufernd in seiner Körperfülle. Jeder andere Mann würde sich angesichts der massiven Bedrängung vielleicht überfordert fühlen, Markus Hönle nicht. Er bedient sie alle vier, gleichzeitig und doch separat. „Setzen Sie sich“, weist er auf den Zweisitzer. „Kaffee?“, fragt er die beiden anderen Frauen. Er klemmt den Telefonhörer zwischen Ohr und linke Schulter, spricht, hört zu, und kramt auf dem Schreibtisch. „Mach ich“, spricht er in der Hörer, hält die Muschel kurz zu, weil ein Mann ins Zimmer tritt und aufgeregt mit einer Eintrittskarte wedelt. „Was kann ich für Sie tun?“ flüstert Markus Hönle. Der Mann gibt für die anderen unverständliche Zeichen, Markus Hönle scheint sie zu verstehen. Er taucht ab, unter seinem Schreibtisch steht ein großer Pappkarton, den Hörer hat er immer noch am Ohr. Aus der Kiste fischt er einen Filmprospekt und drückt ihn dem Mann in die Hand. Der nickt einen Dank und verschwindet. Markus Hönle legt auf. „Die Fahne können Sie in zwei Stunden in Raum 0815 abholen“, sagt er in Richtung Sofa. „Und hier“, sagt er den beiden anderen Damen, „haben Sie die Nummer der Presse.“
Früher sagte man über einen wie ihn, er sei der Mann für alle Fälle. Heute beschreibt man ihn wohl eher als Multitasker. Auch wenn ich ganz früh in sein Büro schneie, ist er schon da. Habe ich nach 22 Uhr noch eine Frage, treffe ich ihn ebenfalls an. Man sieht ihn nie essen, nie trinken, auf keiner Party, er sieht keinen Film und trifft keine Prominenten. Für ihn scheint die Berlinale wie Inhalieren ohne Rauchen zu sein, wie Highsein ohne Drogen. In den zehn Filmfesttagen befindet sich Markus Hönle permanent auf der Überholspur. Und das mit BVG-Fahrschein.
Er muss eine glückliche Kindheit gehabt haben. Und gute ErzieherInnen mit dem Sinn fürs Höhere. Nicht wenige Mitglieder der verschiedenen Jurys sind verschrobene Gestalten mit ausgefallenen Anliegen. „Mein Sohn mag die Iris Berben so sehr. Können Sie da was machen?“ „Wissen Sie, wann die Roberts mal wieder auftaucht?“ „Ich hätte gern Autogramme von Carmen Chaplin, Nina Hoss, Jennifer Lopez und Bing Bing Fan.“ Markus Hönle hört sich alles an. Er muss nicht jeden Wunsch erfüllen. Er lächelt dann einfach.

15. Februar
Schröders wunderbare Welt
Jury-Mitglied Michael Schorr zeigt seinen neuen Film


Ausnahmen bestätigen die Regel. So halte ich das auch in diesem Tagebuch, in dem es ausdrücklich nicht um Filme geht. Meine Ausnahme heißt „Schröders wunderbare Welt“. Das ist der neue Streifen von Michael Schorr. Und der fände hier keine Erwähnung, wenn Schorr nicht Mitglied der Friedensfilmpreis-Jury wäre und die Berlinale sich den „Schröder“ unter den Nagel gerissen hätte. Hat sie aber nicht, denn „Schröder“ ist schon auf zahlreichen anderen Festivals bravourös gelaufen.

Heute abend wird er das erste Mal in Berlin gezeigt, 21.15 Uhr im Kino Babylon Mitte am Rosa-Luxemburg-Platz, in der Reihe „Neuer deutscher Film“. Wer den letzten Streifen von Michael Schorr gesehen hat, wird diesen hier auf keinen Fall verpassen wollen. Der letzte war „Schultze gets the Blues“ und spielte in der ostdeutschen Provinz. „Schröders wunderbare Welt“ liegt auch im Osten, im Dreiländereck Sachsen, Tschechien, Polen. Schröder heißt mir Vornamen Frank und will in Tauchritz (!) ein gigantisches künstliches Tropenparadies aufbauen, den „Lagunenzauber“. Dabei sollen ihm verschiedene Menschen helfen, die sich das erste Mal an etwas wagen, das heute schwer in ist - Projektarbeit: ein amerikanischer Investor russischer Abstammung, Schröders Vater, der der Bürgermeister des Ortes ist, dazu noch ein tschechischer Bürgermeister, ein polnischer Ingenieur und viele, viele andere. „Schröder“ ist ein Ensemblefilm. Von nicht geringer Bedeutung sind aber auch ein Badehaus, ein Golfplatz, fremde Mächte, ein Imbiss, eine Country- und eine Rockband, illegale Wölfe, ein Schrottplatz, eine Bushaltestelle und Kräuterschnaps. Globalisierung in ihrer ausgereiftesten Form.  
Natürlich kommt alles anders, als es soll. Das können die Protagonisten manchmal nur mit deftiger regionaler Küche überstehen. Und mit Becherovka. Wie immer bei Schorrs Filmen gibt es ein Mehr-oder-Weniger-Happy-End und jede Menge zu lachen. Michael Schorr hat sein ungewolltes Markenzeichen bestätigt: Die besten Filme über den Osten hat ein Wessi gedreht.

Eines ist mir aber noch unklar: Woher nur kommt Michaels Affinität zur Alliteration? Schorr, Schultze, Schröder. Wahrscheinlich heißt sein nächster Film „Schmidts schöne Schneiderin“.

16. Februar
Fear and Desire
Die Berlinalekartencounterschlange


Wenn ich mal zwischen zwei Filmen zehn Minuten Zeit habe, versuche ich etwas anderes zu sehen als Kinos und BerlinalebesucherInnen. Dann husche ich hinüber in die Potsdamer Platz Arcaden. Allerdings fällt mein erster Blick auf etwa 200 BerlinalebesucherInnen in spe. Sie stehen hintereinander in langen Schlangen, die sich beidseitig an den Countern gebildet haben, die Berlinalekarten verkaufen. Ich laufe eine Schlange von ihrem Ende bis zu ihrem Anfang ab hin zum Fensterchen, hinter dem eine genervte Verkäuferin sagt: “Nein, haben wir nicht mehr.” “Gibt es noch Karten für ‚Lagerfeld Confidentiel‘?” “Auch schon weg. Aber für die Retrospektive hätte ich noch was.” “Wollte ich gar nicht sehen. Außerdem brauche ich mindestens vier Karten.” “Da kann ich Ihnen nicht helfen.” So geht das die ganze Zeit.  

Die Menschen in der Reihe weiter vorn, stehen seit einigen Stunden. Das sieht man an ihren Gesichtern. Hoffnung hat eine andere Farbe. Trotzdem kringeln sie im Filmprogramm in ihren Händen unzählig viele Filme ein. Die möchten sie alle sehen und dafür brauchen sie Karten.

Ich würde ihnen gern helfen. Aber das kann ich nicht, ich verkaufe ja keine Karten. Ich kann sie nur einladen. Zur Verleihung des Friedensfilmpreises. Das habe ich vor zwei Jahren, als ich das erste Mal in der Jury sein durfte, getan. Auch im vergangenen Jahr noch.  
Die einzige Frage, die die verzweifelten Mitglieder der Parallelgesellschaft Berlinalekartencounterschlage haben, ist: Welcher Film wird gezeigt? Das kann ich verstehen, aber zu diesem Zeitpunkt kann ich die Frage nicht beantworten.  
Einmal habe ich mich mit einer Frau, für die sich das Ausharren offensichtlich gelohnt hatte, lange über den Friedensfilmpreis unterhalten. Sie sei, erzählte die Frau, eine wahre Cineastin und extra aus Cottbus angereist. In ihren Händen hielt sie Karten für sieben Filme. Sie wirkten wie Trophäen. In den folgenden Tagen erwarteten die Frau unter anderen ein Streifen über ein Erschießungskommando in einer Krisenregion, ein schwuler Fast-Porno, eine Doku über eine verschwindende Wüste, ein Kunstfilm über buddhistischen Tanz.
Da seien doch sicher Filme darunter, die sie eigentlich nicht sehen wollte, fragte ich. Ja, antwortete sie, das sei aber nicht so schlimm. Schließlich zähle das Dabeisein, sozusagen Berlinale live. Das verstünde ich absolut, sagte ich. Mittendrin und ganz dicht dran sein, wahrscheinlich sogar mit Regisseur oder Regisseurin, könne sie auch bei der Verleihung des Friedensfilmpreises, sagte ich weiter und lud sie ein, am letzten Berlinaletage ein weiteres Highlight zu erleben. Solch eine Veranstaltung sei für eine Filmfreundin wie sie einfach ein Muss. Ich erzählte ihr viel über den Preis, seine Geschichte, die PreisträgerInnen. Nach einer Weile unterbrach sie meine Eloge: “Das ist ja alles gut und schön. Aber ich weiß doch gar nicht, welcher Film gezeigt wird.” “Lassen Sie sich doch einfach überraschen”, sagte ich. Ich wisse ja selbst noch nicht, welcher Film es sein wird. Außerdem, erklärte ich, habe das große Ähnlichkeit mit dem, was sie hier gerade erlebe. Mit dem Unterschied, dass sie beim Friedensfilmpreis einen künstlerisch herausragenden und politisch anspruchsvollen Film und obendrein eine Preisverleihung geboten bekomme. Zuzüglich einer Podiumsdiskussion zum politischen Thema, das im Film verarbeitet werde. Sie nickte und ich hatte mir schon die Antworten auf ihre nächste Frage zurecht gelegt: Wann und wo das Ganze stattfinden werde. Sie fragte: “Um welches Thema handelt es sich denn?”

Seitdem spreche ich in der Schlange niemanden mehr an.

p.s. Dieses Postskriptum ist Christoph Heubner gewidmet. Gewiss, es kommt zu spät, die Berlinale ist fast vorbei. Aber Christoph soll zu seinem Recht kommen. Jeden Tag sagte er zu mir: „Du musst was über das Wasser schreiben. Warum gibt es in diesem Jahr kein Wasser auf der Berlinale?“ Das weiß ich auch nicht, aber ich vermute, dass sich der Sponsor zurückgezogen hat. Christoph nennt das einen Skandal. Für Marianne, die sehr friedensbewegt ist, ist es ein Skandal, wenn in einem Film zu viel Gewalt gezeigt wird. So unterschiedlich ist die gefühlte Ungerechtigkeit.

17. Februar
Was vom Tage übrig bleibt
Was der Friedensfilmpreis bewirken kann


Pepe Danquart, Regisseur und Friedensfilmpreisträger von 1997 (er hat auch mal einen Oscar bekommen für seinen Kurzfilm „Schwarzfahrer“, aber darum geht es hier ja nicht) hat einmal gesagt: „Der Friedensfilmpreis ist ein Preis, der Inhalt hat.“ Preise mit Inhalt sind denjenigen, die sie bekommen, besonders wichtig. Das gilt, vermutet man, auch für andere Preise. Aber manchmal landet ein solcher an einem Ort, an den er eigentlich nicht gehört, zum Beispiel in einem Bordell. Vor Jahren hatte der Schauspieler Ben Becker einen hoch dotierten Pokal gewonnen. Vor lauter Freude über die Auszeichnung mit Inhalt hat Ben Becker den Ort seines Vertrauens aufgesucht und dort ausgiebig mit Freuden und Freunden gefeiert. Ben Becker ist, wie man weiß, ein äußerst sinnlicher Mensch. Hat er erst mal so richtig losgelegt, vergisst er sogar seine Lorbeeren.  

Die Filme, die den Friedensfilmpreis bekommen haben, gehen in der Regel andere Wege. Die meisten von ihnen bleiben tief im Gedächtnis haften. Und das nicht, weil sie von Schampus und schönen Damen begleitet wurden. Im Gegenteil.

Wenn eine Preisverleihung von BKA-Beamten in Schutzwesten gesichert werden muss, ist das kein Spaß mehr. 1999 ist das geschehen. Damals zeigte die türkische Regisseurin Yesim Ustaoglu in Berlin ihren Film „Reise zur Sonne“, der vermutlich politischste Beitrag jenes Filmfestes. Doch nicht nur deswegen hat er den Friedensfilmpreis erhalten. Es geht, vereinfacht gesagt, um die Geschichte eines arglosen Jungen, der zufällig in das Getriebe der PKK gerät und darin zerrieben wird. Zur Pressekonferenz wurden Sicherheitsmaßnahmen aufgeboten wie zuletzt 1986 für Reinhard Hauffs „Stammheim“. Die PKK ist für die Türkei, was die RAF für Deutschland ist.  

Noch in Berlin sorgte der Film für Gesprächsstoff und hitzige politische Debatten. Das ist alles noch verständlich. Aber als die beiden Hauptdarsteller in die Türkei zurückkehrten, wurden sie und weitere 58 Personen verhaftet. Wenige Tage zuvor war PKK-Chef Öcalan inhaftiert worden. Erst auf Druck der Konsularabteilung des Auswärtigen Amtes in Instanbul und der Heinrich-Böll-Stiftung wurden die Künstler wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Film „Grbavica“, in der deutschen Fassung „Esmas Geheimnis“, im vergangenen Jahr mit dem Friedensfilmpreis, dem Goldenen Bären und dem Ökumenischen Preis bedacht, wurde von den Kritikern der Medien zunächst kaum wahrgenommen. Dann prasselten die Preise und erst Tage später druckten Zeitungen Seiten über die junge serbische Regisseurin Jasmila Zbanic. Ohne die Preise hätte der Film in Deutschland vermutlich keinen Verleih gefunden. In diesem Jahr ist Jasmila Zbanic eine der begehrtesten Fachleute beim Talent Campus.

Oder „Turtles can fly“ („Schildkröten können fliegen“) des kurdischen Regisseurs Bahman Ghobadi, 2005 Friedensfilmpreisträger. Der Film über das Schicksal von Kindern, die sich in einem Flüchtlingslager an der türkisch-irakischen Grenze zwischen gebrochenen Erwachsenen ihre eigene Welt bauen und sich so als überlebensfähiger und auch moralisch stärker erweisen als die Alten, konnte nach dem Festival nur in Deutschland gezeigt werden, weil Friedensfilmpreis und Verleiher später eng zusammen arbeiteten.

Viele Wege, die Friedensfilmpreisfilme gehen, viele Wege, die der Friedensfilmpreis erst möglich gemacht hat, sind wenig beleuchtete Pfade. Man muss wissen, wo sie liegen. Aber man findet sie.

18. Februar 2007
The last Shot
Die Preisverleihung


Ab morgen Mittag, wenn ich meinen Berlinalerausch ausgeschlafen habe, falle ich in ein tiefes Loch. Es ist das Loch der Desorientierung. Ab morgen habe ich keinen Plan mehr, der mich durch den Tag führt, nichts, woran ich mich festhalten kann.  Das macht mich schon jetzt unruhig. Dabei steht das wichtigste Ereignis, das die Jury des Friedensfilmpreises zu meistern hat, noch bevor: die Verleihung selbst. Heute nachmittag ab 17 Uhr findet sie statt. Im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz (www.babylonberlin.de/) .

Wenn die meisten anderen Menschen noch an ihrem Sonntagsbraten kauen, wird die Jury schon im Kino sein. Stellprobe, Soundcheck, Lichttest. Solch eine Preisverleihung ist zwar kein Konzert von Tito & Tarantula, aber so etwas wie eine Show erwartet das Publikum trotzdem. Mit jedem Friedensfilmpreis wächst die Zahl der BesucherInnen. Und die Traube der Journalisten.

Am Anfang hat kaum eine Zeitung vom Friedensfilmpreis Notiz genommen. Obwohl die Zeit vor 22 Jahren alles andere als friedlich war: Damals rang die Welt mit dem Nato-Doppelbeschluss. Eigentlich kein Grund für überbordende Fröhlichkeit. Das sah auch eine kleine Gruppe friedensbewegter Enthusiasten so und hat den Preis für ein unabhängiges ambitioniertes Werk ins Leben gerufen.

Es hat Jahre gebraucht, bis der Friedensfilmpreis von der Berlinale anerkannt wurde. Die wollte Glanz und Glamour, der Friedensfilm Gerechtigkeit. Die Jury ließ sich nicht beirren und hat stoisch und auch trotzig alljährlich ihren Platz auf dem Filmfest eingenommen. Sie hat bekannte Frauen und Männer dazu geholt, als Schirmherren, Jury-Mitglieder, Laudatoren, UnterstützerInnen (Die Geschichte des Friedensfilmpreises ist auch eine Geschichte von Einmischung und Querulantentum.  

Im vergangenen Jahr haben sich die TV-Teams bei der Verleihung gegenseitig weggedrängelt. Diesmal? Wir werden sehen

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